Ein Haus schreibt Geschichte

- Von September 1973 bis Februar 1991 war Pfarrer Hees im Stadtteil Winzenheim tätig.
Seit über 20 Jahren finden in den Räumlichkeiten des ÖKJH´s Angebote für Kinder und Jugendliche statt. Zuerst war das Haus die evangelische Schule. Herr Weinsheimer weiß zu berichten: „Im Saal waren 8 Klassen. 60 Kinder wurden gemeinsam unterrichtet. Abtauchen war nicht, vielmehr lauschten alle mit wachen Ohren den Worten des strengen Lehrers. Jeden Tag hatte der Lehrer Anlass, leichte und heftige Hiebe auszuteilen. Wer Glück hatte wurde vor die Tür gestellt. Bis ca. 1955 gingen Schüler in das Haus. Dann hatte es die Evangelische Kirchengemeinde von der Ortsgemeinde gekauft. Im Jahr 1957 half ich selbst beim Bau der Toilettenanlagen mit. Bis dahin musste man nach Draußen gehen. Im Erdgeschoss wohnten bis zu drei Familien, im Obergeschoß wurde der alte Klassensaal zum Gemeindesaal umgestaltet.“ Der Ort Winzenheim wurde immer größer. Damit wurde auch das Gemeindehaus häufiger genutzt. Neben der Kinder- und Jugendarbeit waren auch die ev. Frauenhilfe und andere Kreise für Erwachsene in diesem Haus beheimatet. Gerade die Kinder- und Jugendarbeit bekam von Jahr zu Jahr mehr Zuspruch. Pfarrer Hees ist es zu verdanken, dass im Mai 1987 eine hauptamtliche Mitarbeiterin für die Kinder- und Jugendarbeit eingestellt wurde. Frau Ursula Zwaan begann ihre Arbeit mit großem Engagement. Schnell formierte sich eine Krabbelgruppe. Konfirmandinnen und Konfirmanden trafen sich im „Offenen Treff“ und im Sommer fuhren Kinder und Jugendliche in eine Freizeit. Die Angebote waren immer voll. Platzmangel machte sich bemerkbar. Die Kirchengemeinde kaufte ein Haus neben der Kirche (Küsterhaus, Hintere Grabenstraße 6). Im alten Gemeindehaus (ÖKJH) wohnte Familie Wolf. Diese Räumlichkeiten sollten nun der Gemeindearbeit zugänglich gemacht werden. Somit wurde das neu erworbene „Küsterhaus“ renoviert und teilweise umgebaut. Familie Wolf konnte danach ins Obergeschoss des „Küsterhauses“ umziehen. Im Erdgeschoss wurde die Sakristei eingerichtet und Toilettenanlagen installiert. Das neue Haus war dennoch alt und nicht zeitgemäß. Die Anforderungen an das Haus stiegen schnell. Im Winter mussten die Räume mit Ölkannen „beliefert“ werden. In den einzelnen Räumen standen Ölöfen. Eine Zentralheizung war nicht vorhanden. Auch die Elektroinstallation musste erneuert werden. Die Gruppenangebote in der Gemeinde wuchsen, und somit entschied sich das Presbyterium für den Abriss des Hauses (1994) und den Neubau (1995) des heutigen Gemeindehauses. Kinder, Jugendliche und Erwachsene waren über die neue Situation sehr froh. Die ehemalige evangelische Schule, bzw. das ehemalige ev. Gemeindehaus wurde den Kindern und Jugendlichen übergeben. In Absprache mit den katholischen Schwestern und Brüdern (1995) wurde das alte Schulgebäude umbenannt in
„Ökumenisches Kinder- und Jugendhaus“ (ÖKJH).
Die Katholische Kirchengemeinde St. Peter betrieb bereits seit September 1993 den Nanni-Staab Kindergarten und versprach, auch evangelische Kinder aufzunehmen. Die Evangelische Lukaskirchengemeinde Winzenheim stellte sich der Aufgabe, Kindern und Jugendlichen ab ihrer Einschulung Angebote in der Freizeit zu bieten. Pfarrer Rüdiger Dunkel hatte am 11. Mai 1991 sich in seinem Einführungsgottesdienst zur Ökumene geäußert: „Ich wünsche mir keine Christen und keine Kirche, die ihre Unterschiede einfach unter den Teppich kehren. Respekt voreinander, Interesse aneinander und Bemühen miteinander sollten die Christen in den Gemeinden prägen.“ Die Ökumene war und ist ihm bis heute wichtig. Vielleicht ein Grund dafür, dass das ÖKJH so ist wie es ist!
Die Angebote im Ökumenischen Kinder- und Jugendhaus wechselten mit den Jahren. Sie wurden geprägt von den vielen Ehrenamtlichen, die sich in den letzten 20 Jahren in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen engagierten. Begleitet wurden sie von bisher 5 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
1987 - 1992 Ursula Zwaan-Standfuß
1992 - 1995 Ehepaar Marianne und Peter Rönn
1995 - 2000 Christiane Pörsch, geb. Dietrich
2000 - heute Andreas Duhrmann
Heute finden 13 regelmäßige Wochenveranstaltungen im ÖKJH statt.
Sie reichen von den Krabbelgruppen bis hin zum Gospelchor. Die Katholische Kirchengemeinde St. Peter nutzt für ihre Veranstaltungen ebenfalls das Haus. Somit bietet Kirche wöchentlich für ca. 250 Menschen ein Angebot. Bis heute behält eine Zielformulierung ihre Bedeutung

„Das Evangelium muss im Leben der jungen Menschen Gestalt annehmen!“
Im Oktober 2001 gestalteten Jugendliche einen Raum, in dem sie nun Billard und Tischfußball spielen können. Neugierig schauten alte Gemeindeglieder durchs Fenster und berichteten, dass sie früher hier zur Schule gegangen seien. Beeindruckt vom Einsatz der jungen Leute, wanderten schon einmal kleine Spenden durchs Fenster, die ich heute gerne als „Flugspenden“ bezeichne. Sie wurden umgehend in Naturalien oder Arbeitsmaterialien umgesetzt. Die Jugendlichen erhielten dadurch Anerkennung und ein stärkeres Selbstbewusstsein. Der Dialog zwischen den Generation war vorprogrammiert. In der Mainacht 2003 machten Jugendliche negative Schlagzeilen. Spielplätze wurden aufs Übelste verunreinigt. Die Stadt sah sich gezwungen, vorerst einen Spielplatz zu schließen. Erneut traten Generationen ins Gespräch. Diesmal trafen sich Vertreter der Stadt, der Kirchen und Jugendliche aus dem „Offenen Treff“. Es wurde ausgetauscht, wo Jugendliche sich nicht verstanden fühlen und wo Erwachsene das Verhalten einiger wenige Jugendlichen nicht nachvollziehen können. Eines war klar:
Jugendliche brauchen Räume!
Sie brauchen Plätze im Freien, ebenso wie Räume in einem Haus. Sie wollen sich treffen, ohne gleich unter Beobachtung zu stehen. Kneipen, Gaststätten und Treffen in den eigenen 4 Wänden bleiben vielen untersagt. Was bleibt sind die inoffiziellen Treffpunkte, deren Ort fast jeder aus Winzenheim kennt. Lärmbelästigung und Verunreinigungen sind die Folgen solcher Treffen. Das ÖKJH hat in Gesprächen mit den Jugendlichen im Mai 2004 ein Projekt gestartet, dass jungen Menschen die Situation in Winzenheim verbessern soll. Das Projekt unter dem Namen:
„Leben in der Gegenwart - anpacken für die Zukunft“
griff auf Erfahrungen aus der Raumgestaltung im Oktober 2001 zurück. Jugendliche wollen mehr Räume - dann sollen sie diese bekommen! Allerdings gibt es sie nicht umsonst. Viel Arbeit stand den jungen Menschen bevor, und Geld ist auch keins da. Einige Jugendliche gingen davon aus, dass die Renovierungsarbeiten in 1 - 2 Monaten abgeschlossen sein werden.

1. Das Jugendbüro wird vom Erdgeschoss auf den ungenutzten Speicher verlegt. Der neu gewonnene Raum steht den Kindern und Jugendlichen z. B. für Computerarbeit zur Verfügung.
2. Der Saal im 1. Stock wird grundlegend renoviert. Er soll am Ende mehreren Gruppen zur Verfügung stehen. Krabbelgruppen sollen sich genauso zu Hause fühlen wie die Konfirmandinnen und Konfirmanden. Kindergruppenarbeit und Discoveranstaltungen müssen ebenso möglich sein wie Konfirmationsfeiern. Der Gospelchor mit 80 Teilnehmern soll Bedingungen vorfinden, die die Freude am Singen fördern. Dies gilt in gleicher Weise auch für Schulungsmaßnahmen für Ehrenamtliche.

Ideen gab es reichlich. Doch wer soll das bezahlen? Dank der „Sparkassenstiftung Jugend“ und der „Aktion Mensch“ kam ein Großteil der Gelder zusammen. Daneben gab es Spenden von Ortsvereinen, Parteien und Privatpersonen. Die „72 Stunden-Aktion“ der katholischen Kirche half in dieser Phase auch ein gutes Stück weiter. Zuletzt half der Förderverein unserem Projekt. Er stellte Geld zur Verfügung, damit die jungen und älteren „Bauarbeiter“ zu jeder Zeit mit gutem Werkzeug arbeiten konnten. Am Ende stand eine Summe von ca. 12.000,-- Euro zu Buche. Der Anteil der Evangelischen Lukaskirchengemeinde Winzenheim betrug etwa 15 Prozent.
Gut 60 Menschen waren an der Renovierung beteiligt. Hinzu kommen die unzähligen Helferinnen und Helfer der „72 Stunden-Aktion“. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene standen mit Rat und Tat dem Projekt zur Seite. Generationen haben miteinander und nicht übereinander geredet. Leider sind einige Jugendliche mittlerweile umgezogen und können das Ende nicht miterleben. Andere sind älter geworden und gehen ihre eigenen Wege. Aber allen sei an dieser Stelle gesagt:
Vielen, vielen Dank ihr seid SPITZE !!!

Warum hat die Renovierung zwei Jahre gedauert?
Der Saal ist das Herzstück des Hauses. In ihm finden fast alle Veranstaltungen statt. Der Gospelchor wurde für ein Jahr ausquartiert. Die Kindergruppen konnten in den Sommermonaten in einem Zelt im Innenhof stattfinden. In den Wintermonaten waren wir Gast im katholischen Gemeindehaus. Daneben fanden dennoch alle großen Veranstaltungen statt. Hier sind zu erwähnen: die Weihnachtswerkstatt, Konfirmations- und Kommunionfeiern, Kasperletheater. Hierzu musste der Saal aufgeräumt, Baugerüst abgebaut und verstaut werden. Nach der Veranstaltung wurde alles wieder aufgebaut. Das Zelt im Innenhof musste bei Schlechtwetterlage kurzfristig abgebaut werden. Schnell wurden hierfür Helferinnen und Helfer antelefoniert. Ein weiteres Problem bestand darin, dass Jugendliche ihren Wohnort wechselten. Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten gefunden und eingearbeitet werden. Verabredungen wurden nicht eingehalten, Termine platzten, bestellte Baumaterialien konnten nicht termingerecht geliefert werden. Mitarbeiter meldeten sich krank. Somit wurden Bautermine schnell um 2 - 3 Wochen verschoben. In den Sommerferien war Pause. Dafür wurde aber in den Oster- und Herbstferien gebaut. Und während all der Zeit fanden die Wochenangebote weiter statt
Natürlich hat dieses Projekt die Probleme in Winzenheim nicht gelöst. Aber es war ein großer Schritt auf dem Weg der Verständigung. Einige junge Mitarbeiter sind heute bereits in der Ausbildung, andere machen gerade ihren Schulabschluss nach oder aber streben das Abitur an. Sie werden diese zwei Jahre vielleicht positiv in Erinnerung behalten und mit ihrem Einsatz und Tatendrang haben sie den neuen jungen Besuchern im ÖKJH einen fruchtbaren Boden hinterlassen.
Neue Probleme werden kommen. Vermutlich wird es sie immer geben. Gerade in der heutigen Zeit der Perspektivlosigkeit unserer jungen Menschen ist das Gespräch, die gegenseitige Annahme und das Miteinander außerordentlich wichtig. Jesus selbst hat das Gespräch mit Kindern geführt. Seine Jünger wollten sie von Jesus fernhalten. Doch er sprach: Lasst die Kinder zu mir kommen. Jesus hörte, was die „junge Generation“ ihm mitteilen wollte. Er wusste, dass Kinder unsere Zukunft sind. Wir alle brauchen sie. Irgendwann werden aus Erwachsenen ältere Menschen, die Hilfe brauchen. Spätestens dann begeben wir uns in die Hände unserer Kinder. Wenn wir versäumen, ihnen in ihrer Entwicklungsphase ein zuverlässiger Partner zu sein, dann werden wir in 30 Jahren Menschen an unserer Seite haben, die uns das zurückgeben, was sie von uns heute empfangen haben.
Bereits heute fühlen sich alte Menschen nicht richtig begleitet. Es gibt zu wenig junge Menschen, die eine Begleitung, Betreuung oder Pflege anbieten können und wollen. Ein Grund mehr, jungen Menschen Werte vorzuleben, die sie gerne für sich beanspruchen wollen.
Die Mitarbeiter im ÖKJH möchten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen christliche Werte vorleben und weitergeben. Helfen Sie uns allen, indem Sie unserem Förderverein beitreten.
Bereits mit einem Jahresbeitrag von 18,-- Euro finanzieren Sie das Bastelmaterial für ein Kind im Jahr. Daneben erwerben Sie im ÖKJH für Ihr Kind oder Enkelkind Vergünstigungen.